Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik OPD-3

Prof. Dr. phil. Cord Benecke
(22.03.1965 – 30.12.2025)

 

Der Arbeitskreis OPD trauert um seinen Sprecher, Cord Benecke, der nach schwerer Krankheit am 30. Dezember 2025 friedlich in Innsbruck verstorben ist. Es ist schmerzlich und ein großer Verlust für uns alle, insbesondere natürlich für seine Familie in Innsbruck und in Scharmbeck, seine Kinder und auch für die engsten Freund:innen, denen zuallererst unsere Gedanken gehören.

 

Foto:  © Sylvia Willax (mit freundlicher Genehmigung)

Cord Benecke stammte aus der Lüneburger Heide und studierte Psychologie in Saarbrücken, wo er 2001 summa cum laude promovierte und bei seinem wohl wichtigsten Lehrer, Prof. Dr. Reiner Krause, tief in die Affektforschung eintauchte. In dieser Zeit absolvierte er am Saarländischen Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie (SIPP) seine Ausbildung zum Psychoanalytiker, die er 2002 abschloss. Seither war er Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG). In den Jahren 2002 und 2003 war Cord Benecke als Stipendiat des Hanse Wissenschaftskollegs am Institut für Theoretische und Angewandte Psychoanalyse der Universität Bremen. Anschließend war er bis 2010 am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck tätig, wo er 2006 bei Prof. Eva Bänninger-Huber habilitierte und als außerordentlicher Universitätsprofessor stellvertretender Institutsleiter wurde. Im Jahr 2010 wurde Cord Benecke auf den Lehrstuhl für Klinische Psychologie an die Universität Kassel berufen, wo er bis zu seinem Tod tätig war – zuletzt als einziger Psychoanalytiker auf einem deutschen Psychologie-Lehrstuhl an einer öffentlichen Universität. Durch dieses Alleinstellungsmerkmal und Cord Beneckes Charisma wurde Kassel ein Mekka für alle Psychologiestudierenden und Forschenden, denen andernorts das psychoanalytische Denken an den psychologischen Instituten fehlte. Die Nachwuchsförderung war eines seiner größten Anliegen, zum einen, weil er die jungen Menschen wirklich von Herzen gemocht hat, zum anderen, weil es ihm enorm wichtig war, psychodynamisches Denken in der akademischen Psychologie zu erhalten. Viele junge Forscher:innen hat er promoviert und eine ganze Reihe sind inzwischen auf Professuren berufen worden. Sie alle konnten sich seiner Unterstützung immer sicher sein.

Cord Benecke war ein passionierter Forscher, der im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere von der Affektforschung und der Psychoanalyse ausgehend immer mehr in die Psychotherapieforschung vorgedrungen ist – nicht zuletzt, um auf diesem Wege die psychoanalytische und psychodynamische Therapie weiterzuentwickeln und abzusichern. Als Meilensteine können sein Lehrbuch Klinische Psychologie und Psychotherapie, seine zahlreichen Arbeiten zur Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD) und seine Therapiestudien angesehen werden. Die große multizentrische DPG-Studie belegt die effectiveness psychodynamischer und psychoanalytischer Therapie, die randomisiert-kontrollierte Studie zur Behandlung von Angststörungen plus Persönlichkeitsstörungen (APS-Studie) zielt auf die efficacy der analytischen Psychotherapie im Vergleich zur kognitiven Verhaltenstherapie und das QVA-Projekt (Qualitätsmerkmale und Versorgungsrelevanz psychodynamischer Ausbildungszentren) schafft eine strukturierte Diagnostik und Indikationsstellung mit dem Ziel einer empirisch-fundierten Qualitätssicherung.

Dem Arbeitskreis OPD hat sich Cord Benecke in den späten 1990er Jahren angeschlossen, wo er sich von Beginn an wissenschaftlich, konzeptionell und didaktisch höchst engagiert eingebracht hat. Als im Jahr 2017 Manfred Cierpka verstarb, übernahm Cord Benecke von ihm die Sprecherfunktion der OPD, die er mit großer Entschlossenheit und unermüdlichem Engagement bis kurz vor seinem Tod ausgefüllt hat. Die Weiterentwicklung der OPD hin zur OPD-3 war ihm ebenso ein Anliegen, wie die gründliche Beforschung und Implementierung des Diagnosesystems in der Gesundheitsversorgung. Beträchtliche Teile des OPD-3 Manuals hat er eigenhändig verfasst. In die Konfliktachse, deren Sprecher er zuletzt war, hat er sich besonders eingebracht; ein Produkt dessen ist auch der OPD-Konfliktfragebogen. Nur an wenigen Orten dürften so viele OPD-Interviews für wissenschaftliche und didaktische Zwecke entstanden sein, wie sie Cord Benecke mit seinem Team in Kassel durchgeführt und ausgewertet hat.

Auch im Arbeitskreis OPD engagierte er sich für den Nachwuchs – die Gründung des Early Career Forums hat er entschieden unterstützt (ein Blick auf den neuen Instagram-Kanal der OPD sei empfohlen: @opd_arbeitskreis). Wer Cord Benecke als faszinierenden Denker und Didaktiker (nicht nur) der OPD erleben möchte, dem sei sein YouTube-Kanal ans Herz gelegt (https://www.youtube.com/@CordBenecke-1965).

Nicht unerwähnt bleiben darf der Standespolitiker Cord Benecke. In den Jahren der Novellierung der Psychotherapieausbildung in Deutschland hat er in teils zermürbenden Prozessen nie aufgegeben, die Fahne der Pluralität sowie die Aufnahme psychodynamischer Inhalte in das neue Studium und die Ausbildung bis hin zur Approbationsprüfung hochzuhalten. Ihm ist es zu verdanken, dass psychodynamische Inhalte weiterhin im Psychologiestudium gelehrt und geprüft werden.

Mit all diesen Aktivitäten hat Cord Benecke unglaublich viel für die Sache und für uns alle geleistet – dafür gebühren ihm höchste Anerkennung und größter Dank.

Als Freund und Kollege hat Cord eine ganz eigene Mischung gelebt, er war tolerant und gewährend, aber auch entschlossen, wenn es gegen Ungerechtigkeit ging – verbiegen ließ er sich nie! Er war erfolgreich, gescheit und strategisch klug, hat dabei aber anderen und vor allem Jüngeren gern die Bühne überlassen. Und er war unverbrüchlich – Freundschaft gab es nicht über Nacht (er war eben Norddeutscher), aber wenn man einander einmal nah war, blieb man es auch.

Mit großem Schmerz und Trauer erfüllt uns Cord Beneckes Tod. Er hinterlässt eine Lücke, die nicht zu schließen sein wird – weder fachlich noch persönlich. Wir gedenken seiner mit höchstem Respekt und Dankbarkeit.

Der Arbeitskreis OPD